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Spitzenforschung zum Anfassen: DLR kommt mit seinen fliegenden Stars zur ILA 2010
Datum: 5.05.2010 1:33 Uhr
Größter Betreiber von Forschungsfluggeräten in Europa präsentiert
aktuelle und künftige Entwicklungen aus allen Bereichen der Luft- und
Raumfahrt
„Asche-Jäger" Falcon 20E als fliegender ILA-Botschafter im Einsatz
Der humanoide Roboter „SpaceJustin" kommt erstmals zur ILA
Berlin, 28. April 2010 - Mit einem starken Auftritt auf der ILA
2010 unterstreicht das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
seine Rolle als eine der führenden Institutionen für die
Spitzenforschung in allen Aerospace-Bereichen. Vom 8. bis 13. Juni wird
das DLR mit einem 600 Quadratmeter großen Stand in Halle 9, der
Beteiligung mit zwölf Exponaten im Space Pavilion und der Präsentation
einer ganzen Flotte von Forschungsflugzeugen und -hubschraubern zu den
größten Ausstellern der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung
auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld gehören. Unter anderem ist geplant,
der Fachwelt und dem Publikum Fluggeräte wie die A320 ATRA, Do228-101
D-Code, EC135FHS, G550 HALO und die Antares, aber auch die Dassault
Falcon 20E zu präsentieren. Der Einsatz dieses Forschungsflugzeugs stand
vor wenigen Tagen im Blickpunkt der internationalen Verkehrsluftfahrt,
als es auf seiner Mission als „Asche-Jäger" die Auswirkungen der
Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull in der Atmosphäre
über Europa erforschte. Dabei wurde die Konzentration der Vulkanasche in
Flughöhen zwischen 2.000 und 12.000 Metern Höhe gemessen. Gleichzeitig
ist die Falcon neben der HALO auch als fliegender ILA-Botschafter
unterwegs, denn das Logo „100 Jahre ILA" am Cockpit wirbt bei allen
Einsätzen für die älteste Luftfahrtmesse der Welt.
Forschungsflieger hautnah erleben
Das DLR-Forschungsflugzeug Falcon 20 E ist seit 1976 im Einsatz
und eine der wichtigsten Plattformen deutscher und europäischer
flugzeugbasierter Atmosphärenforschung. Das fliegende Labor für Umwelt-
und Klimaforschung steigt höher als die meisten Verkehrsflugzeuge und
erlaubt beispielsweise Messungen in der Nähe von Gewittern oder in nur
30 Metern Entfernung hinter den Triebwerken eines Verkehrsflugzeugs. Die
Gipfelhöhe der Falcon reicht aus, um in mittleren Breiten die untere
Stratosphäre zu erreichen, die in den vergangenen Jahren vor allem mit
dem Abbau des Ozons im Blickpunkt der Forschung steht.
Das weltweit erste pilotengesteuerte Flugzeug mit
Brennstoffzellenantrieb Antares DLR-H2 erlebt auf der ILA seine
erste Präsentation auf einer Luftfahrtmesse. Das über mehrere Jahre am
DLR geführte Projekt beweist eine neue Qualität auf dem Gebiet der
hocheffizienten, emissionsfreien Energiewandlung: Durch den
Brennstoffzellenantrieb von Antares DLR-H2 sind Start, Flug und Landung
völlig CO2-frei.
Mit neuem DLR-Anstrich präsentiert sich das größte Mitglied aus der
DLR-Forschungsflotte, der Airbus A320-232 ATRA (Advanced
Technology Research Aircraft). Der Airbus bietet im Format eines
Airliners ein breites Nutzungsspektrum von der reinen
Grundlagenforschung bis hin zu Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten
der Europäischen Luftfahrtindustrie. Das DLR und seine Partner
erschließen mit dem ATRA neue Möglichkeiten der kommerziell verfügbaren
Luftfahrtforschung.
HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) ist das
neue deutsche Forschungsflugzeug für die Atmosphärenwissenschaft und die
Erdbeobachtung. Die Kombination aus Reichweite (bis 8.000 KM),
maximaler Flughöhe, Nutzlast (bis 3.000 kg) und Flexibilität machen den
Business-Jet des Typs Gulfstream G550 zu einem weltweit einzigartigen
fliegenden Labor. Alle Regionen der Erde von den Polen bis zu den Tropen
und den abgelegenen Regionen des Pazifiks können mit HALO erreicht
werden. Außerhalb der Tropen kann HALO auch Messungen in der wichtigen
Grenzschicht zwischen Troposphäre und Stratosphäre durchführen.
Das DLR betreibt in Braunschweig einen in Europa einzigartigen
Flugversuchsträger - den gemeinsam mit Eurocopter Deutschland (ECD) und
Liebherr Aerospace Lindenberg (LLI) entwickelten Forschungshubschrauber EC
135 FHS (Fliegender Hubschrauber Simulator). Wesentliche Elemente
der in den FHS integrierten Technologien sind Lichtleiterverbindungen
für die gesamte Steuerung (Fly-by-light), intelligente Aktuatoren und
Sensoren sowie eine modular aufgebaute Rechnerarchitektur und modernste
Cockpitanzeigen. Mit dieser Fähigkeit umfasst das FHS-Einsatzspektrum
die Erprobung neuer Hubschraubersysteme, die Ausbildung von Piloten, die
Entwicklung neuer Steuerungs- und Regelungssysteme sowie die Simulation
von Flugeigenschaften im Reißbrettstadium befindlicher Hubschrauber.
Piloten haben damit die Möglichkeit, fliegend neue Systeme und
Hubschrauber unter realistischen Bedingungen zu testen.
Die Dornier Do 228-101, Kennung D-CODE wird vom Deutschen Zentrum
für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig als fliegende
Universal-Forschungsplattform bei unterschiedlichsten Experimenten
eingesetzt. Mit ihr werden zum Beispiel Strömungsuntersuchungen an
Laminarprofilen von Tragflächen durchgeführt, optische Sensoren zur
Erzeugung künstlicher Außensicht und Flugführungssysteme erprobt sowie
Fernerkundungsmissionen geflogen.
Von alternativen Treibstoffen bis zu Katastropheneinsätzen
In Halle 9 ist ein großes Portfolio des Forschungsspektrums des DLR
vertreten: So forscht das DLR seit Jahren an alternativen Treibstoffen
für eine klimafreundliche Luftfahrt. Aktuelle Ergebnisse zeigen, dass
die zukünftigen Treibstoffe in Hinblick auf Umweltfreundlichkeit und
Zuverlässigkeit dem Kerosin sogar überlegen sein könnten. Ein erster
kommerzieller Linienflug mit einer 50-prozentigen Beimischung des
synthetischen Gas to Liquid (GtL) Treibstoffs zum Kerosin fand
bereits 2009 in Zusammenarbeit mit Shell, Rolls Royce plc und Qatar
Airways statt. Das Exponat GtL zeigt einen Demonstrationsbrenner für
flüssige Treibstoffe und verdeutlicht damit das Brennverhalten
unterschiedlicher alternativer Treibstoffe für die Luftfahrt.
Mit der Ausstellung eines Abschnitts eines A340-600 Vorflügels aus
Thermoplastmaterial mit integrierter Enteisung stellt das DLR einen
zukunftsweisenden Schritt in der CFK-Bauweise vor: Gemeinsam mit
Partnern hat das DLR einen Vorflügel in Kohlefaserverbund-Bauweise mit
integrierter Enteisung entwickelt. Diese Vorderkanten des Flügels sind
besonderen Belastungen ausgesetzt: Sie müssen Vogelschlag standhalten
und dürfen nicht vereisen. Aufgrund der Bruchgefahr bei einem
Vogelschlag haben die Wissenschaftler kohlenfaserverstärktes
Poly-Ether-Ether-Keton (CF-PEEK) verwendet, das nachgiebiger als andere
Kunststoffe ist. Zusätzlich konnten die Forscher so das Gewicht des
Flügels (engl.: Slat) um circa 20 Prozent reduzieren. Um dem Problem der
Vereisung entgegenzutreten, haben die Partner ein elektro-thermisches
Heizelement entwickelt.
Effektive Unterstützung bei Katastropheneinsätzen bietet das Lage- und
Führungssystem Disaster Management Tool (DMT). Das DMT liefert
hochauflösende Luftbilder, die mit Themenkarten überlagert werden und
ortsbezogene Informationen wie beispielsweise Schadensorte oder
Standorte von Ressourcen visualisieren und dokumentieren. Das DLR
verbindet mit dem DMT die drei Kernfelder Kommunikation, Navigation und
satellitengestützte Erdbeobachtung zu einer integrierten Lösung.
Seit am DLR-Standort Göttingen Anfang 2000 ein Funklabor für Schüler
eingerichtet und später zu einem großen und repräsentativen Schülerlabor
ausgebaut wurde, ist die Nachfrage bei Schülern und Lehrer groß.
Mittlerweile finden sich die DLR_School_Labs an neun Standorten. Das DLR
zeigt auf der ILA 2010 Schülerexperimente zu den Themenbereichen
„Ultraschallprüfstand", „Vakuum" sowie „Infrarotlicht".
DLR zeigt im Space Pavilion Schlüsseltechnologien
Eine Schlüsseltechnologie der Raumfahrt stellt der humanoide Roboter SpaceJustin
dar. Der Serviceroboter kann, von der Erde aus gesteuert, auch im Orbit
agieren. Seine zwei Fünf-Finger-Hände machen seine Bewegungen
menschenähnlich. Der Operator kommandiert die Bewegung der Arme, Finger
sowie des Kopfes durch eine haptische Mensch-System-Schnittstelle, die
umgekehrt dem Operator die Kraft- und Bewegungsinformation des Roboters
darstellt. Durch SpaceJustins „Augenpaar" kann dieser sich selbst ein
dreidimensionales Bild seiner Umgebung machen und dem Operator dieses
übermitteln. Der steuernde Mensch fühlt sich durch diese multimodale
Kopplung in der entfernten Umgebung „präsent". Mit dieser
Telepräsenztechnologie ist SpaceJustin in der Lage, komplexe
Reparaturaufgaben im Orbit durchzuführen und die Astronauten zu
entlasten.
Erstmals stellt das DLR ein Modell des Weltraumteleskops AsteroidFinder/SSB
vor. Um den schwer zu ortenden Inner Earth Objects (IEO) auf die
Spur zu kommen, plant das DLR im Rahmen eines Kompaktsatellitenprogramms
die Mission AsteroidFinder auf dem Standardsatellitenbus /SSB. Ein
Teleskop mit einer neuartigen Hochleistungskamera soll aus dem Erdorbit
IEOs beobachten. AsteroidFinder hat zum Ziel, das Wissen über Anzahl,
Größe und Bahnverlauf innerer Asteroiden deutlich zu erweitern.
In der Erdbeobachtung gehört das DLR zu den führenden
Forschungseinrichtungen in Europa. Das DLR stellt die Exponate zum Thema
Erdbeobachtung in einer Relief-Landschaft dar, auf der
Erdbeobachtungsdaten projiziert werden. Mit den Erdbeobachtungsmissionen
des DLR ist es möglich, die Erde trotz Wolkenbedeckung zu beobachten.
Für Juni 2010 ist der Start des Satelliten TanDEM-X und damit der
Start der gleichnamigen Mission vorgesehen: Die TanDEM-X-Mission
(TerraSAR-X add-on for Digital Elevation Measurement) basiert auf zwei
nahezu identischen Erdbeobachtungssatelliten: TerraSAR-X und TanDEM-X.
Beide sind mit einem modernen, leistungsfähigen Radarsystem, dem
Synthetic Aperture Radar (SAR), ausgestattet. Diese werden unabhängig
von Tageslicht und Wolkenbedeckung innerhalb von drei Jahren ein
3D-Höhenmodell der Erde erstellen.
Das ebenfalls auf der ILA präsentierte Zentrum für satellitengestützte
Kriseninformation (ZKI), ein Service des DLR, kümmert sich im
Fall einer Katastrophe um die schnelle Beschaffung, Aufbereitung und
Analyse von Satellitendaten. Neben der reinen Krisenreaktion und
-beurteilung steht die Ableitung von Geoinformation für den Wiederaufbau
und die Krisenprävention im Fokus der Arbeiten und Analysen.
Mit dem Projekt "Global Monitoring for Environment and Security" (GMES)
wächst Europa in der Erdbeobachtung zusammen. GMES ist eine
gemeinsame Initiative der EU und der ESA zum Aufbau eines
eigenständigen, europäischen Systems für die globale Umwelt- und
Sicherheitsüberwachung. GMES verknüpft die satellitengestützte
Erdbeobachtung mit flugzeuggestützten terrestrischen und maritimen
Messdaten sowie weiteren Datenquellen. Mit GMES wird - nach dem Vorbild
meteorologischer Satelliten für die Wettervorhersage - weltraumgestützte
Erdbeobachtungstechnologie im Dienste der Gesellschaft angewendet.
Weitere Informationen:
Andreas Schütz, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation, Pressesprecher, Tel.: +49 2203 601-2474,
Mobil: +49 171 3126466, Fax: +49 2203 601-3249
Mail: andreas.schuetz@dlr.de.
Diese Presse-Information finden Sie auch im Internet:
www.ila-berlin.de
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